Konzepte und Prinzipien
I Liq Chuan (phonetisch: „i li tschen") versteht sich als Kampfkunst, die auf der Überzeugung basiert,
dass Weiches über Hartes siegt.
Statt Kraft einzelner Muskeln und bestimmte Techniken anzuwenden, legt man die Konzentration auf Sinneswahrnehmungen und auf die Körperstruktur.
Man bewegt sich mit höchster Achtsamkeit und nutzt die Kraft des gesamten Körpers aus.
Weder wird Widerstand gegen einen Angreifer aufgebaut, noch weicht man vor einem Angriff zurück:
Die Energie des Angreifers wird aufgenommen, umgewandelt und zurückgegeben. Der Geist bleibt frei und neutral, der Körper entspannt, ausbalanciert und gleichzeitig energiegeladen.
Während des Partnertrainings harmonisiert man ständig die eigene Körperstruktur, denn jede Bewegung des Partners schafft neue Konditionen.
Zuerst werden das Gleichgewichtsgefühl trainiert, die Entspannung, Verbundenheit des gesamten Körpers, Verwurzelung mit dem Boden, Flexibilität und Elastizität. Später lernt man, die Bewegungsfreiheit des Gegners einzuschränken, ohne selbst blockiert zu werden und eigene Energie zu verschwenden.
Angriffe wendet man ab, indem man die gegnerische Kraft bereits im Ansatz aufnimmt und ableitet.

Aufbau des Trainings
Basisübungen, Spinning Hands (Kreisende Hände), Sticky Hands (Klebende Hände), Formenlehre, Chin-Na (Hebeltechniken), Anwendungen.
15 Basisübungen
Bei den Basisübungen geht es um die Entwicklung der richtigen Körperhaltung und Körperstruktur durch das Fühlen von Referenzpunkten im Körper. Es sind unter anderem die Zentren der Füsse, Knie, Kwa (Kua - die Hüfte), Körperschwerpunkt, das dynamische Körpezentrum, Rippen, Schultern und die Krone (Scheitelpunkt). Man strebt ein Gleichgewicht zwischen Entspannung, Elastizität und Explosivkraft an. Der Körper wird angeleitet zu einem minimalen Energieverbrauch bei maximaler Wirkung. Die erlernten Techniken braucht man auch bei Formen und Partnertraining an.
1. Körperhaltung / Kippen / Schaukeln
2. Aufnehmen und Abgeben der Energie
3. Horizontale Dimension – 8 Kreise (siehe Grafik)
4. Frontale Dimension – 8 Kreise (siehe Grafik)
5. Sagitale Dimension (parallel zur Mittelachse des Körpers) – 4 Kreise
6. „Bobbing“ (vibrierende Spiralkraft)
7. Verdichten und Ausdehnen des Körpers
8. Makrokosmischer Umlauf - Strömung von Yin und Yang Energie im Körper
9. Verdichtende Atmung
10. Nord, Süd, Ost, West – optimale Stellungen der Hände
11. Konkav (nach innen gewölbt), Konvex (nach außen gewölbt)
12. Gewichtsverlagerung durch die Rotation von Hüften
13. Fußtechniken / Schritte
14. Fußtechniken / Tritte
15. Handtechniken / Schläge / Übungen zur Entwicklung von Fajing (Explosivkraft)
Formenlehre
Die Form der 21 Bewegungen unterstützt die Vereinigung von Körper und Geist. Sie zeichnet sich durch langsame fliessende Bewegungen aus. Die Butterfly Form bringt die Explosivkraft (Fajing) zum Ausdruck. Sie zeichnet sich durch abwechselnd relativ langsame und sehr schnelle Bewegungen aus.

Partnertraining
Spinning Hands (kreiselnde Hände) ist eine Partnerübung, bei der beide Partner mit ihren Händen die Hände des Partners umkreiseln. Durch die ständig wandelnden Kontaktpunkte wird die Kraft auf das dynamische Zentrum des Partners übertragen. Man trainiert die Körperstruktur, Präzision, Gleichgewicht und viele andere Aspekte. Die Bewegungen sind fließend, elastisch und kreisförmig.Es werden 8 Kreise geübt, die alle 3 Dimensionen in sich verbergen – die horizontale, frontale und saggitale. Spinning Hands ist eine Übung, die Kooperation der beiden Partner erfordert.
Sticky Hands (klebende Hände) ist eine Partnerübung, bei der der eine Partner versucht den anderen in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken, so dass dieser nicht angreifen kann. Im Gegensatz zu Spinning Hands geht es bei Sticky Hands um Kontrolle des Gegners durch den Kontaktpunkt und um Anwendung der Kraft am Kontaktpunkt. Das Training gliedert sich in das Training der „oberen Hand“ und der „unteren Hand“. Es gibt 4 Prozesstufen, im Laufe deren der Schwierigkeitsgrad erhöht wird. Bei Sticky Hands vermeidet man sowohl den rohen Widerstand als auch Zurückweichen. Die Bewegungen sind fliessend, elastisch und kreisförmig, wobei jedoch nicht ganze Kreise ausgeübt werden.
Spinning und Sticky Hands werden sowohl ohne Schritte als auch mit Schritten trainiert. Beide Übungen haben das Ziel, die Vereinigung der eigenen Körperstruktur mit der Umgebung / Gegner zu erreichen.
Chin-Na sind Hebeltechniken, die Fortgeschrittene trainieren.
San Shou ist ebenfalls den Fortgeschrittenen vorbehalten. Es werden alle gelernten Techniken, eingeschlossen der Schläge, Tritte, Hebel- und Wurftechniken eingesetzt.
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